Gregor Gysi im WIR-Radio der Stiftung des 1. FC Union

Am 18.06. waren WIR mit unserem Radioteam zu Gast im Bundestag um ein Gespräch mit Gregor Gysi aufzuzeichnen. Wie es das Leben manchmal so möchte, war an diesem Tag die Technik nicht optimal, weshalb die Aufnahme keine gute Qualität hat. (Link: https://www.wir-union-vereint-podcast.de/2020/06/21/20-im-gespraech-mit-gregor-gysi). Um deshalb dieses besonderer Interview des Bundestagsabgeordneten und Moderator Kevin Donner nochmal nachlesen zu können und zugleich einem noch größeren Kreis zu eröffnen, haben wir es abgeschrieben. Bitteschön:

Kevin Donner: Schönen guten Abend, herzlich Willkommen zu einer neuen Übertragung in unserem Audiotreff auf unserer Plattform von „WIR-Union vereint“. So schnell kann es gehen, letzte Woche haben wir noch über den akut gewordenen Abstiegskampf gesprochen und seit vorgestern ist die Gewissheit da, dass wir auch nächste Saison im Oberhaus spielen werden. Große Freude, leider vorerst ohne große Party, aber natürlich weiterhin mit der Hoffnung, dass wir unsere Mannschaft im schweren zweiten Jahr dann von Beginn an anfeuern und unterstützen können. Wir sprechen heute mit Unionfan und Mitglied des Bundestages `Gregor Gysi`, bestimmt auch so ein bisschen über die angesprochenen Dinge aber auch über andere gesellschaftliche Themen im Zusammenhang mit Union und dem Fußball. Hallo Herr Gysi, schön, dass Sie Zeit gefunden haben.

Gregor Gysi: Kevin, ich grüße Dich genau so herzlich.

KD: Das wäre schon die wichtigste Frage vorab gewesen. Im Normalfall duzen wir uns ja bei Union, ich wollte nicht unhöflich sein …

GG: Ich bin Mitglied des Vereins. Schon deshalb darfst Du mich duzen.

KD: Okay, das wäre mir bestimmt sowieso ausversehen passiert, wunderbar also dass wir das gleich zu Beginn geklärt haben. Ich hab es eben schon angesprochen, Union hat vorgestern die Klasse gehalten. Inwieweit hast Du die Saison verfolgt, konntest Du dir auch mal Spiele angucken? Inwieweit hast du das Ganze so wahrgenommen?

GG: Bei zwei Spielen war ich dabei. Einmal, als der 1. FC Union gegen Hertha BSC in der Alten Försterei gespielt hat und zum anderen, als der 1. FC Union in dem Allianzstadion in München gespielt hat. Da saß ich hinter Hoeneß und der konnte zweimal aufstehen und klatschen, weil sie zwei Tore geschossen haben, ich konnte einmal aufstehen und klatschen, weil wir ein Tor geschossen haben. Was mich ein bisschen geärgert hat, weil wir einen Elfmeter vergeben haben. Mensch ein Unentschieden im Allianzstadion … . Aber was mir am meisten gefallen hat war, wie die Fans miteinander umgehen. Also das erste Mal keine Aggressivität, nichts, es wurden Schals getauscht und so. Man mochte sich und so wünsche ich mir das eigentlich generell.

KD: Das war dann ja bei dem anderen Spiel ein bisschen anders …

GG: Das war bei dem anderen Spiel gänzlich anders. Da saß ich so in der Nähe von Hertha und was ich wirklich nicht verstand sind die Leuchtkörper, die sind ja nun mal verboten, ich weiß immer gar nicht wie man da so viel mitnehmen kann, ob das Personal da ein bisschen bestochen wird oder so, ist das eine. Aber das andere ist, sie schossen ja Raketen direkt aufs Spielfeld und auch in die Businesslounge glaube ich der Anhänger des 1. FC Union. Das heißt es war ihnen sogar egal Leute gegebenenfalls zu verletzen. Aber gut waren dann die Spieler des 1. FC Union, die anschließend unsere Fans daran gehindert haben daraus eine Schlägerei zu machen, was ja letztlich auch nichts bringt. Ich habe übrigens vorgeschlagen, dass man vielleicht mal eine Vertretung bilden muss, von den Fans von Hertha, von den Fans vom 1. FC Union, dann muss es einen Moderator geben, der das Gespräch führt. Sie müssen ja keine Freunde werden, aber zumindest die Aggressionen abbauen, denn dann macht Fußball glaube ich mehr Spaß.

KD: Gerade nach dem Derby ist der Weg dahin wahrscheinlich wieder ein bisschen größer geworden

GG: Ja, ein bisschen schwieriger. Aber ich denke das trotzdem. Also erstmal habe ich mich gefreut aufzusteigen in die 1. Bundesliga, gerade mit dem Knackpunkt des letzten Spiels, das war schon fantastisch. Aber auch den Klassenerhalt zu schaffen, das war auch toll. Und eins muss ich den Fans des 1. FC Union wirklich mal lassen. In dem Allianzstadion sind ja nun überwiegend Fans vom FC Bayern München und so ein Stadionkasten war vorgesehen für die Fans vom 1. FC Union. Also Ulli Hoeneß hat mir folgendes erzählt: Dieser Kasten für die Gäste ist meistens nicht ausverkauft, weil denen die Anreise zu teuer oder zu kompliziert ist und nur beim 1. FC Union hat er erlebt, dass es mehr Bestellungen gab als Plätze und da hat er entschieden, und das finde ich auch gut, wir geben denen noch ein paar Plätze vom Nebenblock dazu, sodass die mehr Plätze hatten als normalerweise. Trotzdem gab es ja eine große Mehrheit von Anhängern des FC Bayern, und ich sage dir, du dachtest du bist in der Alten Försterei. Die Rufe von Union Berlin waren viel lauter als die Rufe des FC Bayern. Das hat mich am meisten amüsiert, ich habe dann Uli Hoeneß ein bisschen geärgert und gefragt ob von ihm auch Anhänger hier sind (lacht).

KD: Da gab es ja mal den berühmten Spruch von Uli Hoeneß „Für eure scheiß Stimmung seid ihr doch selbst verantwortlich.“

Den hat er mal geäußert, als glaube ich auf einer Mitgliederversammlung mehr Stehplätze gefordert wurden. Aber in dem Zusammenhang, jetzt waren Geisterspiele: Würdest du lieber zu Hause, mit einer Flasche Rotwein ein Geisterspiel im Fernsehen angucken, oder im Stadion hinter Fahnen, man sieht kaum etwas und es gibt Gedränge?

GG: Das ist überhaupt nicht miteinander zu vergleichen, das sind völlig unterschiedliche Erlebnisse. Also das erste Mal, dass ich überhaupt bei einem Bundesligaspiel war, war als St. Pauli noch in der 1. Bundesliga und das ist aber viele, viele Jahre her und da stand ich im Fanblock von St. Pauli. Die hatten immer linke Sprüche drauf, also der Torwart hieß Volker, dann hieß der Spruch immer „Volker, hör die Signale“, oder sie riefen „Nie wieder Faschismus, nie wieder 2. Liga“, also solche Sprüche hatten die drauf und das war interessant, ich bin ja etwas kurz geraten und ausnahmsweise hat St. Pauli 2:0 gewonnen und das St.Pauli zwei Tore schoss bekam ich nur an der Stimmung mit. Hinterher war mir grottenschlecht und ich wusste überhaupt nicht warum, bis mir klar wurde, dass die um mich herum natürlich nicht geraucht haben sondern die ganze Zeit Marihuana oder weiß ich was geraucht haben, ich das alles mit eingeatmet habe und deshalb war mir so grottenschlecht. Aber das Spiel werde ich nicht vergessen, das war mein erstes Spiel. Mein zweites war dann, klar, beim 1. FC Union und vor allem seitdem ich dort in Treptow-Köpenick direkt in den Bundestag gewählt bin habe ich auch so ein kleines Zuständigkeitsgefühl und hab ja zum Beispiel auch beim Stadion mit Politikern telefoniert, um da eine Lösung finden, weil ein Westberliner Politiker die Idee hatte den 1. FC Union damals ins Jahnstadion zu schicken und da musste ich ihm erklären, es gibt Dinge die überhaupt völlig undenkbar sind. Union kann man überhaupt nicht von der Alten Försterei trennen und schon gar nicht ins Jahnstadion. Also vorübergehend für drei Wochen während eines Umbaus, könnte das gerade noch hinnehmbar sein, aber auf Dauer ganz bestimmt nicht. Haben sie dann auch eingesehen. Da muss man dann immer selbst eingreifen, denn wenn du keine Beziehung dazu hast, kannst du das gar nicht nachvollziehen. Da sagst du dann: Da ist ein Stadion. Aber da liegen Welten dazwischen.

KD: Es ist lustig, dass du das erwähnt hast mit deinem Stadionerlebnis bei St.Pauli, die Stelle habe ich mir nämlich aus deiner Biographie „Ein Leben ist zu wenig“, die ich mir natürlich in Vorbereitung auf unsere Unterhaltung heute noch durchgelesen habe …

GG: Das ist sehr vernünftig. Ich hoffe du bist schlauer als davor …

KD: Also das war auch mehr oder weniger gelogen, ich habe ein Jahr lang dran gelesen, hab es von meinen Großeltern geschenkt bekommen und immer wenn ich Lust drauf hatte mal drin gestöbert, so lang lag es neben meinem Bett. Aber ja, ich habe mir diese Stelle nochmal rausgesucht und wollte diese Stelle noch mal vorlesen. Die Überschrift war sinngemäß „Der kiffende Gysi“. Lustig, aber darum geht es mir persönlich gar nicht so im Detail, sondern eher um die Tatsache, dass St. Pauli ja ein Verein ist, wo Antifaschismus sehr gelebt und offen gezeigt wird mit Antifaflaggen und so weiter. Das wird es bei Union in der Form ja nicht geben. Union ist laut Satzung politisch neutral, Antifaflaggen gibt es bei Union im Block nicht. Würdest du sagen, dass man sich als Verein in diese Richtung mehr positionieren sollte oder ist es vielleicht sogar gut Menschen nicht per se auszuschließen. Zum Beispiel gab es bei Werder Bremen mal ein Zitat „Wer AfD wählt, der hat in unserem Stadion nichts verloren.“. Wir sagen dann eher, wir wollen niemanden ausschließen. Wie siehst du das?

GG: Also, es gibt ja unterschiedliche Traditionen und die Tradition von St. Pauli war immer so. Und zwar seit der Gründung. St. Pauli war ein Ausnahmeverein, weil wieder andere eher rechte Anhänger hatten und die wollten halt so ein Gegenstück sein, was in der damaligen politischen Landschaft in der Bundesrepublik schon nachvollziehbar war. Der 1. FC Union ist wieder eine ganz andere Geschichte. Er kommt ja aus der DDR und war immer ein besonderer Verein, also zum Beispiel mit Dynamo Berlin nicht vergleichbar. Es gab zum Beispiel die Vorschrift, dass in der Oberliga niemand spielen darf der vorbestraft ist. Nur beim 1. FC Union gab es solche. Das heißt die konnten sich immer über bestimmte Vorschriften hinwegsetzen, sie waren also auch ein besonderer Verein wie St. Pauli nur in anderer Form. Sie haben so ein Stück Opposition gegen die DDR-Führung ausgestrahlt und gelebt und das hat mir schon imponiert. Wirklich, das war so, dass wenn Union in Berlin spielte hatte ich in der Regel 2 – 3 neue Mandanten in Rummelsburg zu sitzen, weil die irgendwie durchdrehten aber meistens bekam ich doch Bewährung, weil ich irgendwie erklären konnte wie es dazu kam. In den 20 Jahren in denen ich Anwalt war in der DDR hatte ich ein einziges Mal einen Fan von Dynamo. Mit anderen Worten: Von Union konnte ich leben, von Dynamo nicht (lacht). Das hat mir schon imponiert. Und damals gab es ja auch gute Beziehungen zwischen Union und Hertha. Dann kam die Deutsche Einheit und mit der Deutschen Einheit eben bei der Herstellung der Einheit auch so eine Arroganz. Wo ich sie jetzt auch wieder bei der Pandemie hinweisen musste, dass die DDR-Regierung 1970, – wirklich – da hat die Weltgesundheitsorganisation überhaupt noch nicht daran gedacht, die Bundesregierung auch nicht, beschlossen hat ein Konzept für den Fall einer Pandemie zu erarbeiten. Dafür wurde dann in Treptow-Köpenick (Oberschöneweide) ein Institut für Virologie und Impfschutz gegründet und da arbeiteten lauter Virologen und die haben dann auch ein Konzept entwickelt. Natürlich wurde 90/91 das Institut geschlossen, die Virologen entlassen und das Konzept in die Tonne geworfen. Diese Arroganz, die störte dann ja auch Ostdeutsche weil man kann sich ja auch was ansehen. Vieles musste weg, das ist ganz klar aber ein paar Sachen waren auch besser, die hätte man übernehmen können, hat man aber nicht. Und dadurch zum Beispiel ist auch so ein bisschen das Verhältnis von Union und Hertha BSC kaputtgegangen, denn die einen repräsentierten geradezu klassisch Westberlin und die anderen, wenn man so will, klassisch so ein Stück alternatives Ostberlin. Insofern finde ich es an sich richtig, dass man politisch neutral ist, das man da keine Maßstäbe setzt. Aber ohne, dass ihr das festschreibt hätte ich nichts dagegen, wenn die meisten Fans die AfD ablehnen, so wie ich es tue. Aber das muss man nicht festschreiben und natürlich dürfen auch diese Parteianhänger und Mitglieder in das Stadion, klar.

KD: Es gibt diese Fans, aktuell lebt man miteinander und das klappt bislang, würde ich sagen, auch ganz gut. Aber in diesem Zusammenhang: Jetzt gab es in der letzten Zeit ja wieder gehäuft rassistische Äußerungen, vor allem im Stadion. Man dachte eigentlich das wäre tot, dann kam es wieder etwas auf. Wie hast Du das wahrgenommen?

GG: Das habe ich nicht unmittelbar wahrgenommen, aber ich habe davon gehört. Das stört mich natürlich ungemein, weil wir das ja gar nicht nötig haben. Ich beurteile Menschen immer nach ihrem Charakter, nachdem was sie tun und nachdem was sie lassen und nicht nach ihrer Hautfarbe oder sowas. Das interessiert mich ehrlicherweise gar nicht und es gibt mit jeder Hautfarbe angenehme und unangenehme Charaktere. Aber, wichtig ist, dass man dann auch eine Fanszene hat die sich auch ein bisschen dagegen wehrt. Wenn einer sowas ruft und der Nachbar sagt: Lass doch diese Scheiße, es geht um Fußball, dann hast du gleich eine andere Stimmung und eine andere Atmosphäre und das wünsche ich mir. Und ich sag ja, ich bin ja auch für ein Vermittlungsgespräch zwischen Fans von Hertha und dem 1. FC Union, damit es nicht im Krieg ausartet, sondern eine Grenze gewahrt wird. Meinetwegen: Die müssen sich wirklich nicht lieben, aber sie müssen auch nicht zuhauen.

KD: Genauso wie es in die eine Richtung gegangen ist, geht es vielleicht auch mal in die andere Richtung, wer weiß. Du hast schon ein bisschen erzählt von deiner Verbundenheit zum 1. FC Union Berlin. Kannst du nochmal ein bisschen erzählen wie es dazu kam. Weil du hier im Bezirk als Politiker aktiv warst, oder …

GG: Das war ja so, ich bin ja in Johannistal aufgewachsen, das gehörte zu Treptow und zur Alten Försterei war es ja nicht weit. Wenn ich mal ein Fußballspiel sehen wollte bin ich natürlich dahingegangen und nicht ins Jahnstadion. Dadurch wurde ich also schon als Kind ein Fan des 1. FC Union und bekam die Besonderheiten mit. Als ich dann Rechtsanwalt war spiegelte sich das wieder und es gab immer mehr Fans, wenn sie dann in Untersuchungshaft waren auch mich als Verteidiger beauftragten und das spricht sich ja rum. So sagten die ersten drei, dass ich sie gut vertreten habe und sagten den nächsten, nimm mal den Gysi und so. Und so bekam ich sehr oft nach einem Spiel von Union neue Mandanten in Rummelsburg. Heute sagt sich das schon etwas witzig, aber damals hat mich das schon gestört, dass die so schnell eingesperrt wurden und die raus zu kriegen war ja nicht so leicht aber meistens haben wir es doch geschafft. Und wie gesagt, einmal hatte ich einen Fan von LOK Leipzig und da gab es ein Problem. Der sprach absolutes sächsisch. In U-Haft in Berlin, obwohl wir viele sächsische Funktionäre in Berlin hatten, hatten wir so gut wie nie Sachsen. Es waren nur Berlinerinnen, die waren dann allerdings nicht in Rummelsburg, die saßen in der Keidelstraße und Berliner. Und nun hatte ich einen Mandanten, der sprach reines sächsisch und war Anhänger des 1. FC Lok Leipzig und saß in U-Haft. Dann bin ich zum Anstaltseiter gegangen und habe gesagt er solle sich darum kümmern, ich möchte nicht, dass der hier deshalb zusammengeschlagen wird. Dann haben sie sich darum gekümmert und er wurde auch nicht zusammengeschlagen, sondern die haben es dann akzeptiert und gesagt, gut, es ist unser einziger Sachse und wenn er so in der Minderheit ist dann geh. Der Witz war, dass die Wärter ihn dann immer geärgert haben weil er das Spiel nicht sehen konnte und immer rein kamen und ihm sagten, dass der 1. FC Lok Leipzig gerade verloren hat. Das machte denen große Freude, aber sie mussten natürlich auch sagen, wenn Lok Leipzig ein Tor geschossen hat. Naja, dann habe ich ihn zum Glück rausbekommen und dann war es zu Ende.

KD: (lacht) Sehr schön.

GG: Das werde ich auch nicht vergessen. Es ist schon interessant im Leben, was man sich merkt und was man vergisst. Aber den sehe ich immer noch vor mir, auch weil ich ein bisschen Angst hatte und dachte „Oh Gott und dann noch mit diesem sächsisch – welche Chancen hat der hier?“. Aber er ist gesund geblieben, es hat ihn keiner geschlagen und er wurde entlassen.

KD: Also konnte man von Lok Leipzig zur Not auch leben?

GG: Naja, wenn du in Leipzig geboren bist, siehst du die Welt natürlich anders. Aber ich bin natürlich auch so ein Ur-Berliner. Mein Vater ist in Berlin geboren, meine Großeltern sind in Berlin geboren und so weiter und das setzt sich dann eben einfach fort. Ich habe immer in Berlin und noch nie in einer anderen Stadt gewohnt. Und da bin ich auch froh drüber, jetzt bin ich auch ein komischer Typ habe ich festgestellt, aber ich bin froh aus zwei Gründen. Wir haben nur vier Großstädte in Deutschland, also mit mehr als einer Millionen Einwohnern. Das ist Berlin, das ist München, das ist Hamburg und das ist Köln. Alle vier Städte mag ich und das obwohl sie völlig unterschiedlich sind. Sie haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Trotzdem finde ich sie haben alle ihren Reiz und ich mag auch Kleinstädte, aber ich könnte nie in ihnen leben. Ich erinnere mich noch an eine Kundgebung in einer Kleinstadt und dann habe ich gesagt: „Ich habe mir die Kleinstadt angesehen und sie ist sehr schön, aber ich werde Ihnen sagen warum ich hier nie wohnen könnte.“. Dann suchte ich mir eine junge hübsche Frau in der ersten Reihe aus und sagte: „Sehen sie, wenn wir beide heute Abend essen gehen, wüsste es morgen die ganze Stadt.“. Alles lachte und klatschte und wirklich, Berlin ist anonymer und das ist mir nicht ganz unwichtig.

KD: Bei Union vielleicht nicht, da kennen wir uns am Ende doch alle und haben vielleicht so eine kleine eigene Gesellschaft, aber ja: In Berlin ist das auf jeden Fall so. Vielleicht ist das auch für Bundesligaspieler ganz gut, wenn man nicht sofort an jeder Ecke erkannt wird. Wärst du selbst gern mal Fußballer geworden?

GG: Ne, ehrlicherweise nicht, weil ich zu faul bin zum Fußballspielen. Die müssen ja immer so viel rennen, das strengt mich an. Inzwischen wandere ich gern, ich schwimme gern, ich fahre auch gern Fahrrad, aber das Rennen, naja. Ich bewundere ja immer die Leute die joggen, das geht mir ja so auf die Nerven. Wenn in der Schule früher Fußball gespielt wurde, stand ich im Tor. Ich hatte zwar immer Probleme an die Latte zu kommen, aber bevor ich die ganze Zeit hin und her renne, stand ich lieber im Tor.

KD: Das hätte ich jetzt so nicht erraten, dass deine erste Position die des Torwarts gewesen ist.

GG: Ich möchte gar nicht bestreiten, dass das kein edles Motiv war. Doof ist halt, wenn du nicht hälst, vor allem so einen Ball wo alle denken „Den hätte man halten können“, oh, dann bist du auch in der Klasse verschrien. Da habe ich dann einmal erlebt wie tückisch so ein Ball sein kann. Ich saß da, der kam angerollt und ich wusste, dass ich den kriege. Kurz vor mir springt der dann plötzlich zur Seite weil da irgendwas lag oder so und ab ins Tor. Ich war so wütend. Und sowas vergisst man auch nicht, obwohl ich heute 72 und damals vielleicht 11 oder 12 war. Trotzdem: Man vergisst es nicht.

KD: Wir haben eben schon ein bisschen von der Bedeutung Unions im ehemaligen Ostdeutschland gesprochen. Dabei habe ich in der Ankündigung zur Sendung Union als Ostverein betitelt und einige Zuhörer waren böse auf mich, was ich auch verstehen kann, da sich Union in der Masse schon als etwas anderes als ein klassischer Ostverein definiert. Aber trotzdem: Union hat ja jetzt wie gesagt die Klasse gehalten und ich denke das ist für so einen Verein wie Union nichts Selbstverständliches. Die Feierlichkeiten waren ja doch auch trotz Corona recht ausgiebig. Du als Politiker hast dich auch gerade immer für Ostdeutsche Interessen eingesetzt. Was würdest du sagen: Welche Bedeutung hat es für die Region, dass ein Verein aus der ehemaligen DDR nach 10 oder 11 Jahren, nachdem Cottbus abgestiegen ist, wieder in der 1. Bundesliga spielt?

GG: Also, erstmal stimmt es, dass Union kein klassischer Ostverein ist, da er atypisch war für die DDR und auch ein wenig gegen die anderen Oberligamannschaften stand, schon wegen der ganzen Politik die sie machten. Natürlich mussten sie schon immer bestimmte Grenzen wahren, aber das haben sie gemacht. Er ist jetzt ein bisschen, und ich bitte darum, dass keiner beleidigt ist, durch Hertha BSC ein Ostverein geworden. Das ist interessant. Nicht zu DDR-Zeiten, sondern jetzt und zwar weil es jetzt darum geht zu zeigen, dass Osterberlinerinnen und Ostberliner und überhaupt Ostdeutsche nicht doofer sind als die anderen. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt wieder eine Mannschaft in der 1. Bundesliga haben, nachdem Cottbus und davor Rostock abgestiegen sind. Jetzt haben wir noch Leipzig, das ist nun wieder was ganz Anderes …

KD: Leipzig bezeichnen wir natürlich nicht als Ostverein …

GG: Ja schon klar, aber ich muss es ja trotzdem erwähnen, ganz egal wer jetzt diese Fußballmannschaft dort gekauft hat. Aber das ist ja mittlerweile so üblich und es gibt nur wenige Ausnahmen. Bei denen liegt es glaube ich auch ein bisschen daran, dass die Fans sich verstehen. Das ist der 1. FC Union und das ist Bayern München. Bayern hat natürlich auch Privatinvestoren, aber die Mehrheit gehört dem Verein. Das gibt es nicht mehr in Portugal, in Spanien und in den großen Ligen, gerade bei den führenden Vereinen. Das ist dort überhaupt nicht mehr drin und da ist Bayern München eine Ausnahme Das verlangt man auch ein bisschen Hoeneß und das Schöne ist, wenn sie mehr als ein Drittel des Vereins verkaufen möchten, brauchen sie mehr als zwei Drittel der Zustimmung des Vereins. Die bekommen sie nie hat Hoeneß gesagt, deshalb brauch er das gar nicht zu versuchen. Und sie sind auch stolz darauf, dass der Großteil von Bayern München ihnen gehört. Und natürlich gibt es da Parallelen zum 1. FC Union, denn es entspricht eben nicht ihrem Denken und ihrem Fühlen. Das kann ich gut verstehen! Ich verstehe aber auch die anderen, denn ohne Geld schaffst du es eben nicht mehr. Der Fußball von heute ist leider sehr, sehr kommerzialisiert und wenn du dann edel bist und sagst du nimmst daran nicht teil, ja dann steigst du eben irgendwann wieder in die dritte Liga ab. Das ist das Problem. Da möchte ich wirklich nicht der Verantwortliche sein, der abwägen muss was man nimmt oder nicht nimmt und wie man unabhängig bleibt. Alles keine leichten Fragen.

KD: Gerade bei Union ist der Wunsch nach Selbstbestimmtheit ja sehr groß und wenn man jetzt die Fangemeinde fragen würde ob man lieber einen Großinvestor haben möchte, oder als zweite Option wieder in die Dritte Liga gehen würde, würde sich der Großteil wohl für die Dritte Liga entscheiden.

GG: Das verstehe ich, weil es ihr Verein ist. Vielleicht könnte man aber wirklich von dem Modell Bayern München lernen. Das man sich mal genau ansieht, wie sie das über die vielen Jahre geschafft haben zwar Investoren zu haben, aber immer auf ein Maß zu begrenzen, dass der Einfluss begrenzt war und der Haupteinfluss immer von den Vereinsmitgliedern ausging.

KD: Ich denke da würde man dann noch einmal eine ganze Sendung füllen. Ich meine, viele Dinge möchte ich bei Union nicht haben und sehe zum Beispiel Qatar Airways sehr kritisch. Auch über diese Dinge muss man sprechen …

GG: Ich weiß, die gehören einem Prinzen aus dem Arabischen Raum…

KD: Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass wir die 50+1 Regel haben, so dass Minimum 51% der Anteile bei den Mitgliedern sein müssen …

GG: In München 67%. Ich sag`s nur.

KD: Stimmt schon.

GG: Da kann man sich schon mal drüber unterhalten. Also 50+1. Das +1 ist ganz wichtig, denn die Mehrheit müssen die Mitglieder haben. Völlig richtig.

KD: Oder das Union zum Beispiel noch ein eingetragener Verein ist. Das gibt es im Profifußball ja auch nicht mehr so oft.

GG: Bayern ist ein eingetragener Verein.

KD: Da bin ich mir gerade gar nicht so sicher, weiß es aber auch nicht genau …

GG: Also hat zumindest Hoeneß gesagt. Er hat gesagt wir sind ein Verein und dem Verein gehört so und so viel. Den Rest muss er dann auch privatisieren. Ich meine, was dort ein Spieler verdient, davon können wir, wie wir hier sitzen ja nur träumen, das ist ja völlig klar. Du hast gute Spieler und Fußball kannst du ja immer nur eine begrenzte Zeit spielen. Stardirigent kannst du sein bis zum 85. Lebensjahr, aber eben nicht Fußballer. Irgendwann musst du raus und keiner weiß was danach aus ihm wird. Den Einen sieht man dann wieder als Trainer oder alles Mögliche und andere siehst du nie wieder. Das heißt sie haben eine kurze Zeit in der sie, wenn sie im Profifußball sind, auch gut Geld verdienen können und dann ist es schon leichtfertig zu sagen „Geh doch in einen Verein, wo du vielleicht nur ein Zehntel verdienst“, wenn man selbst nicht in dieser Situation ist und ich verstehe die dann auch, dass sie dann gerne zu einem Club gehen wo sie auch gut bezahlt werden, vor allem wie gesagt, weil die Zeit begrenzt ist. Wenn man wüsste man kann das Geld bis zum 85. Lebensjahr verdienen, dann kannst du das anders gestalten, aber das geht nun mal nicht im Fußball. In anderen Sportarten in der Regel auch nicht, außer beim Dressurreiten, da habe ich auch schon 75-jährige gesehen (lacht). Aber das ist die einzige Ausnahme im Sport und deshalb sage ich immer, wir finden da kein Maß. Was mich wirklich stört ist die Kommerzialisierung, wenn irgendeinem Milliardär dann so ein Club gehört und der schmückt sich damit. Ach ne, das gefällt mir nicht und da verstehe ich die Fans vom 1. FC Union sehr gut.

KD: Ich gucke mal in die Runde. Wir sitzen hier im Bundestag und machen es das erste Mal nicht von der Couch aus. Wir wurden eingeladen und das mitten in der Sitzungswoche. Es kann sein, dass er dann nochmal rein muss in den Sitzungssaal …

GG: Ja ich muss noch an einer namentlichen Abstimmung teilnehmen die heute stattfindet. Da wird immer sehr registriert, auch von der Öffentlichkeit, wie welcher Abgeordnete abgestimmt hat. Und wenn dann meine Stimme fehlt, krieg ich böse Briefe und so und das will ich ja nicht haben.

KD: Das soll natürlich auch so sein, aber deswegen würden wir heute den Song in der Mitte ausfallen lassen und machen weiter, damit wir heute vielleicht mal ausnahmsweise ein bisschen früher Schluss machen können. Wir haben schließlich noch eine Menge Themen, die wir besprechen möchten und machen direkt weiter. Was sagst du als Linken-Politiker denn zu diesen unheimlichen Summen, die im Profifußball bezahlt werden. Wenn manchmal für einen Spieler 270 Millionen bezahlt werden, ist das dann noch ein Sport oder entfernt sich der Fußball dann zu stark von seiner Basis, wie schätzt du das ein?

GG: Ich habe früher gedacht, dass es so ist, habe dann aber festgestellt, dass die Fans nicht ausbleiben. Das ist auch interessant, sie abstrahieren davon. Es ist eben eine andere kommerzielle Welt. Das Problem ist ja nicht mal das, was ein Spieler verdient, sondern das, was ein Verein dafür bekommt, dass er vor Vertragsende einen Spieler einem anderen Verein überlässt. Da werden ja Summen ausgeschüttet, ja. Natürlich gefällt mir die Kommerzialisierung nicht, doch eins sage ich dir auch ganz offen: Wenn du dich in ein Gebiet hineinbegibst, wo das herrscht, kannst Du dich dem nicht völlig entziehen. Du kannst als Amateurmannschaft mit netten ehrenamtlichen Kräften in der 1. Bundesliga nicht bestehen. Punkt, das ist so. Wenn du sagst du hast mit der ganzen Welt nichts zu tun, kannst du das so machen, aber wenn man erfolgreich sein will, und ich will ja, dass der 1. FC Union erfolgreich ist, dann weiß ich das du akzeptieren. Anders geht es nicht. Die Frage ist immer die Grenze. Also: nicht über den Kompromiss sollte man streiten, sondern über die Grenze. Wo beginnt die Abhängigkeit von einer Person oder einer Firma, die man nicht will, weil die plötzlich auf merkwürdige Ideen kommen. Das hat mich am meisten an der DDR erschüttert, als ich gehört habe, dass die aus Kostengründen zum Beispiel einer Mannschaft empfohlen haben zu verlieren, damit sie absteigen, weil ihnen das andere zu teuer war. Das fänd ich ja gruselig wenn ich Sportler gewesen wäre. Ich hätte mich ja so aufgeregt. Ich verliere doch nicht absichtlich. Und heute hast du wieder mal die Situation, dass du diese Spiele hast, wo ein Unentschieden beide weiterbringt und einen Dritten, der jetzt nicht dabei ist, ausscheiden lässt. Dann sieht man plötzlich sie spielen nicht und schieben den Ball hin und her. Niemand auf dem Rasen strengt sich richtig an, das ärgert die Fans ja und mich auch. Dann wäre ich eine Weile lang mit meinem Verein eingeschnappt, aber beim 1. FC Union habe ich das noch nie erlebt. Aber bei anderen gab es das schon und das hat mich auch verärgert, denn damit machst du den Sport kaputt. Das geht nicht. Die müssen trotzdem gewinnen wollen, selbst wenn nicht man dann vielleicht nicht gewinnt.

KD: Da bin ich ja auch schon gespannt wie die nächsten zwei Spieltage ablaufen. Für Union geht es ja nicht mehr wirklich um etwas …

GG: Das ist aber was Anderes, wenn sie es nicht absprechen, was ich zu keiner Sekunde glaube, dass das passiert. Natürlich ist die Leidenschaft etwas raus. Wenn es in dem Spiel darum geht ob du bleibst oder nicht bleibst, dann hast du natürlich eine ganz andere Energie. Aber manchmal ist es ja auch so: Wenn du leichter drauf bist, weil es nicht mehr wichtig ist, kannst du locker und erfolgreich spielen. Also ich wünsche mir schon, dass wir die beiden Spiele noch gewinnen um den anderen in der 1. Bundesliga zu zeigen, sie müssen mit dem 1. FC Union in der nächsten Periode rechnen. Und sie dürfen nicht denken, dass sie dann eine Mannschaft bekommen die sie leicht bezwingen können und ich muss dir sagen, in München waren wir gut. Die Spieler, obwohl ich natürlich kein Experte bin, von Bayern hatten etwas drauf was ich bewundert habe. Sie sind auch ohne Foul immer ganz nah an den anderen Spieler heran. Da fühlst du dich ja schon so bedrängt, dass du schon anfängst zurückzuweichen, während unsere Spieler immer so Abstand hielten. Und da habe ich gemerkt, das ist natürlich auch eine Methode der Spieler von Bayern, wo du erfolgreich bist weil du den anderen ja völlig nervös machst. Das müssen wir vielleicht noch ein bisschen üben. Ein bisschen frecher zu werden.

KD: Das ist dann ja bestimmt auch so ein bisschen individuelle Klasse. Aber mal was andere: Ich habe glaube ich noch nie in so einer Podcastfolge so viel über Sport gesprochen …

GG: (lacht) Aber ich sag dir eins: Wenn der erste Elfmeter auch drin gewesen wäre, ich weiß natürlich nicht ob es dann zu einem 2:2 gekommen wäre, aber wenn: Oooch, das wäre doch ein Triumph gewesen. Gegen Bayern München im Allianzstadion ein Unentschieden, ehrlich gesagt, ich habe ein bisschen davon geträumt. Übrigens, Zingler und die anderen saßen alle dort und haben sich umgedreht um zu sehen wie ich reagiere. Und sie sahen mich mit gespreizten Armen und dem Schal. Schon weil vorher zweimal Hoeneß aufgestanden ist. Da dachte ich: Ne, jetzt musst du auch aufstehen (lacht).

KD: So ein 2:2 in München das wäre ja bestimmt …

GG: Boah, das wäre …

KD: … neben dem Heimsieg gegen Dortmund und dem Derbysieg mit das Saisonhighlight gewesen.

GG: Die Bayern müssten dann wahrscheinlich erstmal ihren Schmerz überwinden und für mich wäre das wie ein Sieg gewesen.

KD: Gerade weil man ja auch sieht, wie Mannschaften in München unter die Räder kommen können.

GG: Ja. Aber unter die Räder sind sie ja tatsächlich nicht gekommen und ich sage es nochmal, die Fanrufe für den 1. FC Union waren wesentlich lauter als für den FC Bayern München.

KD: Das wurde uns auch im Nachhinein an verschieden Stellen so berichtet.

GG: Ich dachte das gibt’s doch gar nicht. Ich dachte ich bekommen die Fans gar nicht zu hören, weil die anderen so laut sind, aber nö, es war eher umgekehrt. Und das hat mir sehr gefallen und natürlich habe ich den Hoeneß sehr geärgert „Sind auch Fans des FC Bayern München im Stadion?“ (lacht). Aber das ist so ein bürgerliches Publikum, die rufen eben nicht. Die vom 1. FC Union haben dann halt eine ganz andere Lautstärke entwickelt. Und, das muss ich natürlich auch sagen, bei Union sind ganz besondere Fans. Selbst wenn die andere Mannschaft ein Tor gegen sie schießt, sie sind nie mit ihrer Mannschaft beleidigt, sondern sie rufen dann lauter und spornen die Mannschaft an. Es gibt ja auch so Fans, die dann beleidigt sind mit ihrer Mannschaft und wo das dann kippt. Das kann glaube ich beim 1. FC Union nicht passieren.

KD: Ich habe auch manchmal so den Eindruck, bei Union gibt es vielleicht nicht so viele Fans wie bei Bayern München, aber dort teilen die meisten eine gemeinsame Leidenschaft. Du sprichst von bürgerlichem Publikum. In München gibt es halt die Südkurve wo ein wenig Stimmung ist und in den anderen Blöcken genießt man eher das Erlebnis an sich, steht notfalls mal auf wenn etwas passiert, aber bei Union steht das ganze Stadion dahinter.

GG: Ja, das Publikum bei Union ist anders gestrickt. Geld spielt insofern nicht die Rolle. Weil zum Beispiel so ein Stadion, natürlich hat das Berlin unterstützt etc., aber ohne die Fans wäre das nie gegangen. Was die alles selbst gebaut und gemacht haben. Und da möchte ich schon ein bisschen stolz und versuche ihnen das natürlich nicht auszureden. Und auch das machen sie auch politisch neutral. Ich möchte doch gar nicht, dass sie auf „meiner Seite“ stehen, das ist doch Quatsch. Sondern ich will, dass sie zu mir tolerant sind und sagen „gut, dass wir dich haben“, aber politisch können sie völlig anders denken.

KD: Bei Union wird man ja auch eingeladen mitzumachen, man hat das Gefühl es ist gewollt. So wie wir hier sitzen sind wir ja auch alle im Ehrenamt. Man kann sich einbringen und das ist auf jeden Fall sehr schön. Vielleicht mal dazu: Fußballvereine sind in der Region ja oft sehr viel mehr als plumpe Unterhaltungsmaschinen, bzw. sollten sehr viel mehr als das sein und dabei sind auch Fans oft kritisch, schießen manchmal vielleicht auch mal über das Ziel hinaus, das kann auch mal vorkommen, aber es gibt auch ein großes gesellschaftliches Engagement. Welche Rolle spielen Fußballvereine in ihrer jeweiligen Region?

GG: Also wenn es kein Publikum gibt, das haben wir ja jetzt bei den Geisterspielen erlebt, ist der Fußball nicht mal die Hälfte wert. Diese ganze Atmosphäre im Stadion gehört eben dazu und die Spieler brauchen das genauso und zwar auch die unterschiedlichen Stimmungen. Mal spielst du bei denen und manchmal spielst du zu Hause. Das macht ja eben einen Unterschied. Zwar entscheidet es nicht immer über Sieg oder Niederlage. Der Schiedsrichter muss objektiv sein. Das ist natürlich grottenschwer im Stadion, wobei ich glaube, dass jetzt diese Fernsehaufzeichnungen doch ein bisschen helfen. Also eben beim Spiel Union gegen Bayern München, in München ist der Schiedsrichter zweimal zum Fernseher gelaufen und zweimal bekam Union einen Elfmeter. Ob das ohne Fernsehen so gelaufen wäre weiß ich nicht. Aber die Bayern haben auch gar nicht richtig gemeckert, weil sie es eben akzeptiert haben, dass es eben ein Elfmeter war. Gerade durch das Fernsehen ist es jetzt eben objektiviert, wo du dann sagst okax, jetzt macht der das nicht mehr ganz blind nach dem ersten Eindruck den er hatte, sondern anders. Trotzdem sage ich, für mich ist immer das Grenze wahren entscheidend. Man laut sein, man kann laut rufen, Feuerwerkskörper sind nun mal verboten, das sollte man respektieren, weil ja auch wirklich mal was passieren kann dabei, aber vor allem finde ich es falsch Feuerwerkskörper auf Spieler zu schießen zu deinen „Gegnern“, das macht man einfach nicht. Es ist immer noch Sport. Aber Hoeneß zum Beispiel war mein Gast im Deutschen Theater, da habe ich ihn gefragt, als er mal einen Elfmeter verschossen hat und dadurch eine Europameisterschaft in die Hose ging, wie man das durchsteht. Da sagte er, er konnte die ganze Nacht nicht schlafen, da hilft auch kein Trost und so weiter. Und es ist zwar ein Spiel, aber da hört dann das Spiel auch auf. Dann brauchst du auch einen Trainer und andere Spieler, die dich wiederaufbauen. Wenn die dann noch auf dir rumhacken, weil du schuld bist, das wäre natürlich das letzte. Und das ist wieder neben allem Sport auch wieder eine psychologische Komponente. Dafür muss man wirklich sorgen. Also mit anderen Worten: Ich finde, dass die Fans vom 1. FC Union im Kern wirklich in Ordnung sind, die Mannschaft auch. Sie versucht auch bestimmte Überschreitungen zu vermeiden. Das es immer Einzelne gibt, die über das Ziel hinausschießen, das kannst du gar nicht verhindern. Aber was man verändern muss ist, dass wenn diese Knallkörper nun mal verboten sind, dass man dann so kontrolliert, dass sie auch nicht ins Stadion kommen.

KD: Dazu, eine Zeitlang kam ja von Faninitiativen auch mal der Gedanke bestimmte pyrotechnische Erzeugnisse zu legalisieren. Manchmal passieren ja vielleicht auch gerade deshalb Dinge, weil sie halt nicht erlaubt sind, sie müssen reingeschmuggelt werden etc.. Vielleicht passieren gerade deshalb manchmal Unglücke. Aber wenn es vielleicht kontrolliert abgebrannt werden könnte, dann passiert in der Form vielleicht weniger.

GG: Dafür bin ich immer offen, darüber kann man Gespräche führen. Es muss so passieren, dass keiner der Fans dadurch gefährdet wird. Dann braucht man dafür Stellen und die Feuerwehr hat ihr Vorschriften und so weiter. Aber ja, das wäre auch ein Weg und man könnte es in einem bestimmten Umfang legalisieren. Wenn du es aber legalisierst, läufst du natürlich auch Gefahr, dass sich da wieder Leute dagegenstellen und sagen „auf diesen legalen Quatsch lasse ich mich nicht ein“ und dann hast du das Problem in anderer Form. Trotzdem sollte man darüber diskutieren. Ich bin ja auch gar nicht vom Prinzip dagegen. Ich bin ja auch ein Freund von Silvester etc. und da ist ja vieles erlaubt. Also sag ich mir, ein legaler Weg ist okay, aber es darf weder ein Fan gefährdet werden, noch ein gegnerischer Fan und schon gar nicht die Spieler. Denn da hört bei mir der Spaß auf. Wenn du einen anderen Spieler verletzt, sodass er nicht mehr spielen kann, dann ist die Fairnessregel verletzt und das geht nicht. Und Hertha hat eben auch Raketen auf das Spielfeld geschossen, das habe ich ja nun selbst gesehen.

KD: Das sind natürlich alles Dinge die zu weit gehen, aber wenn man mal in die Fanszene reinfragt, was sie zu Pyrotechnik sagen, dann denke ich der Großteil würde sagen „Joar, das finde ich schon ganz geil“.

GG: Ja gut, dann müssen wir darüber reden, wobei Jugendliche ja auch oft unterschätzen was passieren kann. Auch zu Silvester kommen Jugendliche ja sehr oft ins Krankenhaus, weil sie nicht damit gerechnet haben und weil sie das wieder unterschätzen. Ich war ja auch nicht anders, insofern habe ich ja die Erinnerung daran nicht verloren. Ab 12 oder ab 10 glaub ich war ich zuständig für das Feuerwerk und es hat mir großen Spaß zu Silvester gemacht, schon zu DDR-Zeiten. Und deshalb sage ich ja, wenn wir es legalisieren, dann muss das der Deutsche Fußballbund mit der Polizei klären und dann müssen wir Regeln festlegen. Und zwar so, dass dann natürlich keiner das jemanden ausversehen an den Hals wirft, oder mit ein bisschen Absicht. Das darf natürlich alles nicht passieren. Du bist ja auch immer ein wenig für den Schutz der Leute verantwortlich. Aber, ich glaube da kann man Wege finden. Aber zum Beispiel nicht mit Flugkörpern. Flugkörper kannst du immer sonst wohin schießen, das ist zu viel.

KD: Wenn man einen Weg findet, dann glaube ich auch nicht, dass da Flugkörper mit eine Rolle spielen. Wir haben jetzt auch ein bisschen über Fankurven an sich gesprochen. Letzte Woche hatten wir hier bei uns die Eiserne Hilfe zu Gast, ich weiß nicht ob dir das was sagt, aber auch die Eiserne Hilfe ist ein Begleitboot um den Verein, wo auch Ehrenamtler arbeiten, die Fans unterstützen, wenn sie Ärger mit der Polizei haben, generell rechtliche Unterstützung benötigen oder sowas in der Art.

GG: Das finde ich völlig richtig, weil das meistens junge Leute sind, denen das Geld fehlt und die sich oft auch gar nicht zurechtfinden, wenn plötzlich die Polizei gegen sie ein Verfahren einleitet uind die Staatsanwaltschaft dann auch, dann brauchen sie natürlich auch Unterstützung.

KD: Wir haben dann vorhin auch schon ein bisschen über Dein Stadionerlebnis bei St. Pauli gesprochen und jetzt sagen ja auch viele Fans aus den meisten Fanblöcken, sie wollen bei sich keine anwesenden Polizeibeamten haben. Was würdest du sagen, muss man dann vielleicht auch manchmal etwas mehr Härte zeigen, oder ist es vielleicht auch richtig, dass die Polizei gerade nicht da ist und die Fanblöcke sich so auch ein bisschen Anarchie behalten können?

GG: Das Problem ist immer die Grenze zu wahren. Ich verstehe schon, dass die das nervt, wenn die Polizei da ist. Aber wenn die am Ende verdeckt da rum steht das macht ja auch keinen Spaß …

KD: Das stimmt …

GG: … wenn dein Nachbar sich dann plötzlich als Kriminalpolizist herausstellt. Das Problem ist, da muss man diskutieren mit der Polizei, da muss es Gespräche geben zwischen Fans mit der Polizei um Regeln zu vereinbaren. Das man sagt, dafür braucht man sie, das müssen sie verhindern und das müssen sie nicht. Klar ist eben auch, sie müssen nicht bei jeder Kleinigkeit eingreifen, das geht mir auch auf die Nerven. Sie muss verhindern, dass jemand verletzt wird. Das ist wahr. Körperverletzung mag ich nicht, schon gar nicht schwere Körperverletzung, die es zum Teil auch gibt, aber sie müssen zum Beispiel nicht bei jedem Spruch eingreifen. Da kann man doch hinterher darüber diskutieren, dass mir zum Beispiel dieser rassistische Spruch nicht gefallen hat. Wenn du nämlich immer eingreifst und andauernd jemand herausgezogen wird, dann organisierst du nur Unruhe und machst es nicht besser, sondern schlimmer. Auch bei Demonstrationen, wenn da einer mal ´ne Maske hat – das ist übrigens auch komisch, vorher hatten wir ein Vermummungsverbot, jetzt haben wir ein Vermummungsgebot und alle müssen plötzlich Masken tragen (lacht) – aber davon mal ganz abgesehen, das finde ich auch Sicht der Polizei nicht gut, denn du beschwörst nur neue Auseinandersetzungen. Lass den doch einfach erstmal weiterlaufen, solange er nichts macht. Wenn er natürlich mit ´ner Flasche nach jemandem schlägt, muss man natürlich dazwischen gehen, völlig klar. Aber nicht bei jedem Spruch, bei jeder Verdeckung, mein Gott. Das nervt mich überhaupt, es gibt bei uns in der Justiz keine Bagatellen. Es gibt zwar kleine Strafen, aber es gibt keine Bagatellen. Ich will jetzt wirklich nicht die DDR würdigen, ich habe vieles an ihr zu kritisieren, aber da gab es zum Beispiel bei Diebstahl und Sachbeschädigung eine Grenze von 50 Mark und bis dahin war es keine Straftat, sondern eine Verfehlung. Und dann hast du von der Polizei eine polizeiliche Strafverfügung bekommen für den dreifachen Betrag, den du als Strafe bezahlen musst und dann war das erledigt. Es hat sich kein Staatsanwalt damit beschäftigt und kein Gericht, nur wenn er Einspruch eingelegt hat. Heute gibt es hochdotierte, lange ausgebildete Staatsanwälte und Richter und die müssen sich mit jedem Taschenbetrug beschäftigen. Also das ist absurd kann ich da nur sagen. Die sollen sich auf die schwere Kriminalität konzentrieren und nicht diesen Lappeskram. Das kann man anders regeln, aber muss es halt gesetzlich festlegen. Aber ich rede mir hier den Mund fusselig.

KD: Eine Sache, die die Unionfangemeinde im Februar 2019 stark erschüttert hat, war der Tod eines jungen Fans. Der junge Karl war nach einem Heimspiel gegen, ich glaube, Sandhausen als Unionfan erkennbar unterwegs und wurde auf offener Straße erstochen. Was ich gar nicht wusste, ich weiß es erst seit zwei Tagen, du hast die Verteidigung in der Nebenklage übernommen …

GG: Ich habe die Eltern vertreten. Er wurde getötet, aber man muss ehrlicherweise sagen, dass der wegen Mordes Verurteilte hat den 1. FC Union gar nicht gekannt. Das hatte damit nichts zu tun. Er ist also nicht als Fan erstochen wurden, sondern weil der Mörder frustriert war, so war das eben. Und zum Glück hat das Gericht auf Mord entschieden, aber es ist noch nicht rechtskräftig, denn die Verteidigung ist in Revision gegangen und nun muss der Generalbundes  …

Es ertönt eine Alarmglocke und eine Frauenstimme setzt ein, die andeutet, dass ab sofort die namentliche Abstimmung beginnt und die Abgeordneten 30 Minuten Zeit haben um ihre Abstimmung vorzunehmen.

GG: Na ist doch fantastisch, was ich noch für eine Zeit habe. Also ich wollte nur sagen, also das hatte keinen Bezug zum 1. FC Union und jetzt muss ich abwarten, was der Generalbundesanwalt zu der Revision der Verteidigung sagt und dann werde ich dazu Stellung nehmen und dann müssen wir sehen, wie der Senat des Bundesgerichtshofs entscheidet. Ich hoffe, dass er die Verurteilung wegen Mordes und der damit einhergehenden Freiheitsstrafe bestätigt.

KD: Und wie kam es zu der Verteidigung? Anschließend haben ja eine Menge Unioner sehr medienöffentlich getrauert …

GG: Verstehe ich auch. Das war ein netter Junge und auch noch Unionfan. Das Blöde war, dass er an dem Tag um sich für ein neues Arbeitsverhältnis zu bewerben nicht zum Spiel gegangen ist. Wäre er zum Spiel gegangen, wäre ihm das nicht passiert.

KD: Das denkt man sich ja oft, dass man Dinge hätte anders machen können. Also wir haben noch 5 Minuten Zeit und im Vorfeld wurde mir schon eine Frage gestellt, die ich mitnehmen sollte. Wir sprechen ja hier oft vom „WIR“. Das neue Buch von Jan Hollants heißt „WIR“ und auch dieser Audiotreff trägt diesen Namen. Wenn du jetzt im Stadion bist, wirst du von den Leuten eher als Unioner erkannt, oder als Politiker. Man sagt ja so „Bei Union biste Union“ und da ist alles andere erstmal außen vor. Wie ist das bei dir?

GG: Im Stadion kann ich das gar nicht so beurteilen, aber ich bin zufällig in den Zug eingestiegen bei der Fahrt nach München zum Spiel. Und das war zufällig der Zug, in dem ganz viele Unionfans drinsaßen. Und die haben mich alle nett und als Unioner begrüßt. Das war sehr angenehm. Es gab keinen einzigen, der irgendwie abweisend oder aggressiv reagierte, das hat mich richtig gefreut.

KD: Das ist schön. Warst du auch schon mal im Stehplatzblock?

GG: Dietmar Bartsch war da und hat mich eingeladen das beim nächsten Mal mal mitzumachen, denn der der macht das immer. Ich habe das früher auch oft gemacht, wusste nur nicht wie sie auf mich reagieren. Und ich wollte da nun auch keine Auseinandersetzungen provozieren. Ich war aber einmal in dieser Loge, also diese First Class. Na da geh ich nie wieder hin. Also ehrlich gesagt, mal abgesehen davon, dass es dort sagenhaft teuer ist, ist es ja furchtbar. Da sietzen lauter Leute an einem Tisch und essen da und dann gehen sie auf den Balkon und gucken sich das Spiel an. Schrecklich. Business class geht noch. Da hast du zwar ein Buffet und kannst essen, aber sitzt eben auch im Stadion und erlebst alles mit. Also das habe ich zu meinem Mitarbeiter gesagt. Diese First Class kann er vergessen, die kommt für mich nicht mehr in Frage. Business, oder in dem Fanblock, was Anderes nicht. Da muss ich mal mit Bartschi sprechen, der ist ja größer und stärker als ich und wenn ich den an meiner Seite habe müsste das doch funktionieren, oder?

KD: Ja, ansonsten pass ich mal auf dich auf (lacht). Ich war auch ab und zu mal auf der Haupttribüne, muss aber auch sagen, dass ich meistens diesen Ort wieder verlasse und wieder auf die Waldseite gehe.

GG: Aber in den Logen warst du noch nicht? Das ist noch schlimmer.

KD: Ich war sogar schon in den Logen, muss da aber auch kein ganzes Spiel bleiben. Waldseite, lauter Fahnen, man sieht vielleicht 5 Minuten vom Spiel, Tore in der Regel überhaupt nicht, das ist mein Fall.

GG: Bei St. Pauli im Fanblock war es auch so, aber Tore mitbekommen hat man dann halt anders ….

KD: Noch ein Thema, es ist ja nun schon ein paar Wochen her, aber als der Fußball wieder angefangen hat, da war ja schon das Gerede groß. Viele Läden hatten noch zu, die meisten Dinge konnten noch nicht stattfinden, aber die DFL hat ein Konzept vorgelegt und es wurde beschlossen es wird wieder Fußball stattfinden und viele waren dann auch ein bisschen sauer auf den Fußball. Denkst du dort wurde ein bisschen voreilig gehandelt, weil vielleicht noch nicht wirklich die öffentliche Akzeptanz da war oder war es gut, dass die DFL hier so gehandelt hat?

GG: Nein ich finde es gut im Kern. Weil sonst hätte sich alles verschoben, die ganzen Spiele und so weiter, oder du musst abbrechen und so weiter. Das geht zur Not auch, aber ist doch keine Lösung. Und sie haben es schon deswegen nicht überzogen, da eben die Zuschauer nicht ins Stadion dürfen. Aber Geisterspiele an sich finde ich furchtbar, deshalb hoffe ich, dass wir so schnell wie möglich davon wieder wegkommen.

KD: Das hoffen auf jeden Fall alle. Ebenfalls hoffen wir natürlich, dass die Leute uneingeschränkt wieder reindürfen und man nicht sagt „nur mit Sitzplätzen“, oder „nur alle zwei Meter“. Für mich persönlich gehört auch mal dazu, dass man ein Bier abbekommt …

GG: Ja, das ist dann trotzdem kein Spiel. Also auf Abstand, wie viel gehen in das Stadion?

KD: 22.000

GG: 22.000, wenn dann nur ein Bruchteil reindarf, das wäre nicht gut.

KD: Wenn man beim Torjubel seinen Nachbarn, den man nicht kennt, nicht umarmen kann, dann gefällt mir das auch nicht.

GG: Ja. Ausdrücklich: Geisterspiele finde ich schon schlimm, aber es ist auch wieder interessant, es gibt eine andere Qualität. Es gibt kein Publikum und die spielen anders, die Spielerinnen und Spieler, also die Frauen natürlich auch …

KD: Ich glaube die dürfen noch gar nicht …

GG: Stimmt, aber auf jeden Fall, die Spieler spielen anders und die Schiedsrichter beurteilen anders, weil du ja auch nicht die vielen Buh-Rufe bekommst etc.. Das ist eine völlig veränderte Atmosphäre und ich glaube, dass es Mannschaften gibt die kommen damit gut zurecht. Der 1. FC Union ist zunächst nicht so gut damit zurechtgekommen, aber dann doch.

KD: Es wurde ja auch ein bisschen erzählt, dass die Schiedsrichter oft die Spielsituationen härter bewerten, weil man immer sofort hört, wenn ein Zweikampf mal ein bisschen doller war.

GG: Das kann schon sein. Also du veränderst das Spiel, das darf man nicht vergessen.

KD: Okay, Dankeschön. Ich denke jetzt können wir langsam aufhören, damit die Leute nicht sauer sind mit dir. Schön, dass du Zeit gefunden hast und wir hier sein durften. Das war eine tolle Sache.

GG: Ich wünsche allen alles Gute und hoffe wir sehen uns bald mal im Stadion.

KD: Wir hören jetzt noch „Am Fenster“ von City, das hat sich Gregor gewünscht.

GG: Das ist ein wunderschönes Lied. Die einzige goldene Schallplatte, die jemals von mir erworben wurde.

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